poetisch-philosophische Splitter 5

by Maik Gustavus 15. Juni 2026 0 comment

„die welt verhärtet das herz der meisten menschen. aber wer nicht hart werden kann, muss sich eine art künstlicher unempfindlichkeit angewöhnen, um nicht von männern oder frauen übertölpelt zu werden. einen ehrlichen menschen überkommt ein peinliches und trauriges gefühl, nachdem er sich einige tage lang der gesellschaft überlassen hat. nur einen vorteil hat er davon: das macht ihm die einsamkeit liebenswert.“

nicolas chamfort

die meisten bücher von heute wirken so als wären sie an einem tag mit den am vortag gelesenen verfasst worden.

de omnibus dubitandum

höre auf an gerechtigkeit zu glauben und sie erscheint

der mann der die vögel beobachtet
hat eine durstige kehle er klingt wie rauhreif auf stahl so gut kenne ich ihn er steht den wolken näher als ich der abend ist immer noch nicht da wenn der tod kommt wird er lächeln wie du du hast es gesagt er beginnt immer zuerst das hast du versprochen
ich koste mein blut in deinem mund und lege mich in den fluss dem ich seit einiger zeit folge höre deinen herzschlag in den winden auf den hügeln als ich entkleidet dem winter entschlief gefroren aurora die kälte deiner zärtlichkeit davor war erwachen die ohnmacht karger augenblick ende der träumerei …

von der selbstbestimmtheit des spielers habe ich gehört man sagt ihr nach sie richte sich einzig auf seine garderobe

…ich bin nicht dazu qualifiziert sie davon abzubringen aber machen sie sich die maxime des heiligen
johannes klimakos in erweitertem sinne zu eigen „nichts bringt dem mönch mehr ruhmeskränze ein als die mutlosigkeit.“

oh tiefe; des reichtums und der weisheit und der erkenntnis gottes! (römerbrief, 11,33.)

ich hatte eine eigenartige nacht gegen drei erwachte ich und es kam mir als hätte ich ausreichend schlaf erhalten und gegen 6 erwachte ich abermals als hätte ich ungenügend schlaf erhalten diese eigenartigkeit besucht mich in letzter zeit ganz regelmäßig

die tage sind gezählt …wer würde je bezweifeln das die tage zahlen sind

il pleut doucement sur la ville – arthur rimbaud

„die tränen in meiner seele wie der regen rings in der stadt; was ist es, daß ich mich quäle so tief in meiner seele ?“

paul verlaine

wir sollten uns wieder mehr an bauernweisheiten halten wir haben unsere götzen unkenntlich deformiert auf den basaren dieser elegischen katastrophe regelrecht verramscht zu schleuderpreisen ließen wir davon ab
globalisierten bis hin astronomischer kulmination sind wir gestrandet bis alles still selbst die stille … nur im lufthauch einer landschaft atem zu erkennen gibt sich etwas das so fremd und immer heimat war gewesen

der mensch leidet nicht mehr er hält nur noch aus bis zum ehrenvollsten moment seines lebens dadurch endlich bekommt er was er verdient

auf die frage welchen gewinn ihm die philosophie gebracht hätte antwortete antisthenes : „die fähigkeit mit mir selbst zu verkehren.“

der philosoph den seine begabung und sein geschmack von sich heraus in das herz der menschlichen gesellschaft führt erfährt dadurch häufig schläge aufs gemüte die ihn nicht zu einem menschenfreunde werden lassen auch dem menschenfeinde sollte er nicht gesellig sein da der mensch ihm seiner beschäftigung als übersetzer einer unkenntlichkeit nicht nur dienlich sondern befreiend wodurch der eigene lebenswandel selbst zur lehre wird …er ist das amoralische bindeglied ein chronist präliminärer scheinheiligkeit da es kaum etwas gibt was lobpreisend über die gesellschaft gesagt werden kann bleibt ihm nichts anderes übrig als das zu leben was ihr versagt…desto mehr er seine eigene stellung aufgibt desto mitfühlender wird er durch die ausführung selbst erhält er seine tantiemen so ist ihm nutzen stets gewiss …allein das gefühl zur erkenntnis wird sein brot und tugend das ihn nährt …er nimmt sich das was ohnehin niemand bemerkt somit niemand vermisst dadurch wird er niemals hunger leiden …vielleicht beschert er ihnen sogar einen gefallen nimmt eine last von ihnen was in ihrem innern so gewiss …alles was ist muss erkannt werden es ergibt keinen sinn das das was ist nicht erkannt wird …

jeder findet gründe wenn er in das mühsal der unerledigten erinnerung zurückschwimmt …

wir wollten uns eine wohnung anschauen eine die einem dachboden ähnelt wo immer man sie findet geht die sonne unter so wie sie früh morgens in der bäckerei erwacht…

vergiss sie wir waren auch mal jung wo sind die bilder von letzter nacht die ich aus materialien baute denen sturm und kälte nicht gefährlich werden können wo sind all die empfindungen geblieben …lichterketten für einsame spaziergänger auf den inseln des mondes innerhalb der zerschlagenen stunden fällt
das kerzenlicht in ein gedicht meiner jugend wie die muse mich festhält vor einem tiefen fall ins ungewisse so vertraut

irgendwann vergisst man wo man hinwollte jede nacht fühlt man sich befreit von dem was der tag hinterließ beißt auf die zähne und fragt nicht mehr
wirft die gewohnheiten zu den anderen schrecken auf die schultern bis man nichts mehr von ihr hört

ich ging hinaus …unter dem regen verstand ich sie plötzlich die welt …als er ging der regen verstand ich sie nicht mehr

lass mich dem warmen abend glutrote sommersprossen malen wie der wind dein kleid zerweht verschlafen fast wie meereswellen vom rot des morgens halt dich fern und inne meine hand stumm wie ein baum der stift der nichts schreiben will das unvollständige besteck ist gedanke abgründe in meinem kopf ich stehe am fahrkartenschalter zeppelin ins nirgendwo der stift der nichts schreiben will

„zwei menschen, die nichts zu thun haben, was können
sie schlechteres oder besseres anfangen, als freundschaft, und solche nun sind es, denen ich jene innige brennende
freundschaft vorschlagen möchte, da sie selbst so leer sind mögen sie es in der form wieder einbringen, mögen sie sich den ganzen tag umarmen.“

clemens brentano // godwi

wer als ob von wenn nicht beherrscht wird immer anzeichen eines verrückten aufweisen für diejenigen die darin sattelfest

manchmal geht nichts außer der gute alte new york jazz charly haden und keith jarrett …

regenpfützen gähnen auf der frisch gekehrten straße das licht der scheinwerfer kennt kein erbarmen wie minuten und sekunden zerbricht es unkenntlich an diesem gleichgültigen abend …. davon bemerkt er nichts zu still um zu träumen …. für heute hat er genug gesehen … morgen wartet wieder ein tag darauf gelesen zu werden. er ruht auf dem bettzeug und wollte soviel aber er ruht auf dem bettzeug und wollte soviel mit seinen händen das leben verjubeln die sind vergangenheit jetzt die hände feine hände sind das ohne schrammen und risse …sie winken für ihn untot gierig diese hände duftend nach seifenwasser halten worüber er schweigt was er sieht nur er allein …sobald er darüber schmunzeln kann ist er in sicherheit …ein weg beginnt und ist weit …das bett auf dem er liegt ist weich wie eine spur im schnee er wollte soviel er hat ein bett ein herz das noch schlägt ein eigenes zimmer …die anderen lassen ihn in ruhe nachdem er dies einem von ihnen wortlos erklärte …. immerhin …an der zimmerdecke eine welt die er mit niemanden teilen muss schmauchspuren im herzen 2 jahre einschluss sind 2 jahre zu wenig der schweiß funkelt im adrenalin damals wilde gewässer vertraut bleibt die flamme am streichholz verbrannte erde löst die fessel im rauch der zigarette er wäre gern betrunken für immer dachte er betrunken im zimmer das auch betrunken ist … die vielen vögel in den geräuschen bei nacht er sieht im dunkeln auch kalte luft …

was für eine amateurin sie spielt die sonatine zu tranig sie schleppt sich durch die noten, swingt nicht mit ihnen …er mochte sie redete mit ihr die frau am klavier bewahrt die umarmungen der klaviatur in gedanken auf nicht die ihres liebhabers dachte er c dur passt zu dir aber nicht zu diesem stück …es passt nicht zu dir…ravel passt nicht zu dir …sie klingt als spiele sie ihn nach … du bist nicht bei ravel bist nicht sein kopf nicht das gefühl für seine musik …er schließt sie ein mit geschlossenen augen ihre berührungen …über das radio spricht er mit ihr …aber es ist immer nacht …am rand der dunkelheit in die luft geworfen das herrliche von damals der moment ist farbe und schatten auf seinen schultern und armen er streckt den körper auf dem bettbezug der gut riecht …etwas zerbricht in ihm etwas das er nicht kennt

was schaust du wie ein kanten brot schau anständig wenn du schon nichts weißt was man dir sagt dann halt dich wenigstens daran das man danke sagt wenn man erniedrigt werden muss …hier halt die leine auch mal steht dir eh besser der leinenzwang den hund wolltest du schließlich haben …danke

der tag war seine anstrengung wert und ging ordentlich in die knochen von denen ich bisher nur gelesen hatte jetzt mochten sie mich und ich hörte ihnen zu

regen und nebel setzt sich zu dir friert wie so oft in diesen nächten von innen heraus wirkt vieles so unglaublich lächerlich

die physiker sind die könige der hutmacher

wer die welt verstehen will kann den eigenen platz darin erkennen also als den teil der gleichung die dadurch bereits unlösbar ins absurde läuft und von dort aus eine überblick erhalten der funktion des weltganzen also die analoge struktur und das allgemeine element seines zusammenhalts

eine weltformel? um was zu beweisen … was soll das ergebnis sein und welche parameter jener gleichung die dieses ergebnis wirft?

eine welt aus worten und zahlen ist eine welt aus vakuum und leere

wenn man stets nur bemerkt das dieses oder jenes sich verändert hat sollte man doch irgendwann darauf kommen das man nicht die ursache dessen eher das mittel ihrer ausführung ist folglich rein gar nichts kontrollieren kann …statt zu bemerken das lediglich bemerkt wird drehen sich theoretische gewinde naturgemäß im kreis da eine kreisbewegung ihrem wesen nach nie etwas neues zu tage fördert da sie sich erhält durch bewegung des immer selben musters welches jedoch stets wie ein chamäleon seine oberfläche verändert allein durch reduzierung oder erhöhung von licht entsteht für das auge ein vollständig gegensätzlicher eindruck deutlicher wird er anhand der assoziativen gedanken in diesem oder jenem eindruck beides bezieht sich nicht nur aufeinander es hängt ebenso von dem anderen ab wie mensch und natur in jedem beliebigen kontext zugehörig verdeutlicht auftreten

das karussell der gespenster das kasperletheater der entscheidungswelt warum sollte man sich dafür interessieren?
ergebnissprotokolle als meteorologie psychologischer leere die uns in zuschauer unser selbst verwandeln man reicht sich die hand rhythmische zuckungen eines zerfließens gegenseitige höflichkeit die politur des maskenballs

durch die rotationsdynamik selbst versagt sie den menschen den stillstand der eben dazu fühlen würde …zu erkennen

eigentlich sind wir alle opfer unserer körper abhängige wie bewegung essen trinken usw. beweist. ist es für einen abhängigen überhaupt möglich eigenverantwortlich zu handeln ?

er sitzt schläft spricht in der immergleichen versteinerung herum plastischen augen die er von seiner mutter erbte wie er sagte und mich an seinen vater erinnern wie ich dachte

man muss beginnen wie es beginnt teil von etwas sein synthetisch dann sich vollständig lösen und dann von außen unbefangen und neutral darauf blicken um es bis zu seinem tiefsten innern zu durchdringen das erreichen der essenz

das wirst du nicht verstehen da es dich betrifft …jemanden der an einer klippe radschlagen macht; es wird dir kaum gelingen ihn davon zu überzeugen er sei lebensmüde …mehr noch …er wird dir erzählen wie lebendig er sei …

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