von der Sehnsucht nach Abgrund

by Maik Gustavus 28. Juni 2026 0 comment

o sûr châtiment …

sans plus il faut dormir en l’oubli du blasphème, sur le sable altéré gisant et comme j’aime ouvrier ma bouche à l’astre efficace des vins!

couple, adieu; je vais voir l’ombre que tu devins.

stéphane mallarmé

was seine notwendigkeit am eigenen wesen hat und als solches mit den augen spinoza’s durchschaut wird …was aus unserer eigensten innersten natur fliesst das begleitet uns ja unabwendbar vom ersten bis zum letzten atemzuge daran kann glück oder unglück nichts verwandeln zwischen wiege und bahre werden wir ja keinen augenblick uns selber los …

nicolas chamfort notiert 1795 : heutzutage ist der theater- und literaturerfolg eine einzige lächerlichkeit …mein teurer freund daran hat sich rein gar nichts geändert …

man nimmt es oft den philosophen übel dass sie sich von der welt zurückziehen …man erwartet von ihnen dass sie sich für die gesellschaft interessieren die ihnen doch fast gar nichts nützt.
man will sie zwingen ewig der ziehung einer lotterie zuzuschauen für die sie kein los haben

„siehe, die sternen sind ja aus gott zusammenkorporieret.
du musst aber dessen unterscheid verstehen, denn sie sind nicht das herze und die sanfte, reine gottheit, die man für gott ehren und anbeten soll, sondern sie sind die innerste und schärfeste geburt, da alles in kämpfen und ringen stehet, da sich zwar das herze gottes immer gebäret und der heilige geist aus dem aufgange des lebens immer ausgehet.“

böhmes werk aurora ist die leuchtschrift eines mannes der einheit will und menge erntet …er gibt sich nicht der symbolik des christentums hin wie es kloppstock fast herausragend auf dem poetischen wege gelang in seinem von ihm verfassten messias …aber es ist der zeitgeist der das denken liefert (so das mystische denken in der erzeugung einer physiologischen wesenheit) und dieses entwickelt sich weiter wie die welt im außen daher diese doch recht vernichtende reflexion seines textes …hier handelt es sich um jemanden der sich selbst zu einem gaukler deklassiert indem er geblendet des heiligen bildes dem pathetischen wege und seinen gesetzen fast würde ich sagen hypnotisch folge leistet … nichts ist einschläfernder als die ständigen wiederholungen einer eintönigkeit durch ausschlachten der kapazität seiner gewählten worte in sprache und rhytmus die wie die inschrift eines grabes unbeweglich starr der versuchung unterliegt die vitalität einer originalität zu enthüllen damit der eigenen unfähigkeit als autonomes prinzip gegenübergestellt badet in sehnsüchten und ihrer aussichtslosigkeit durch das fehlen einer transparenz es bleibt ein wimmern des elegischen märtyrers dessen tod im pantheismus und der kunstfertigkeit religiöser spekulation mündet und an deren verbindlichkeit einer umgestaltung eigener oberflächlichkeit zerschellt …

das werk ist zu gliedern in prolog und epilog von dem der eine als höhepunkt der andere als die parodie dessen auftritt durch eine sich steigernde unkoordiniertheit denn das wesentliche hat er überhaupt nicht berücksichtigt sofern man in diesem kontext überhaupt so einen bewussten begriff einbeziehen sollte da dieser an der undurchdringbarkeit einer errichteten plastizität scheitern muss in diesen seinen feldzug gegen imaginäre dämonen und antidämonen welche jener übersetzung eines buches das bibel heißt zugrunde liegen …bilden damit die ausgangsposition seiner antipoetischen ausführung des sterilen häretikers und daran vereinsamten dessen vereinsamung er eben damit versuchte zu verhindern

er weist jegliche eigenverantwortung von sich wie der katholizismus ebenso da er die notwendigkeit nicht erkannte die in der erweckung des bewusstseins …das erleben der erfahrung im erlebnis selbst liegt …stattdessen errichtet er wie ein literarischer heerführer einen wall aus palisaden um das lager seiner unaufhebbaren und schicksalhaften glaubenssätze …die widerbelebung von feindseligkeit und grausamkeit welche sich als massenkompatibles mittel eignet einer inhaftierung und gefügigmachung in den konsens einer märchenhaften welt aus rücksichtslosen und kriegerischen individuen die man ebenso in der griechischen tragödie widerfindet … götter die menschen karikieren oder menschen die als götter verkleidet götter verspotten die sie selbst gerne wären die weder im sinne der vernunft noch mitfühlend in erscheinung treten stattdessen wie vom teufel besessene entitäten der affekt willkür in wappentreue ergebene kreaturen in einer schweißnassen arena im vielschichtig dünnhäutigen coocon dröhnend sexueller wollust heuchlei mord rache und niederen trieben und absichten mutwillig interagieren …eine völlig aus dem ruder gelaufene generalprobe einer schmierenkomödie in vollendeter pervertierter selbstbeweinung und heiligsprechung die sich an ihrer wütenden dynamik ante portas selbst erhängt …auch er misstraut den göttern in exemplarisch identischer weise und vermenschlicht vielmehr verdinglicht er das übersinnliche in ein gehäuse sophistischer borniertheit wie es ihm vorgemacht wurde durch die objektivierung einer angenommenen subjektivität die des belehrenden mystikers … adoptiert im individuellen pater noster alle himmlischen wesen in den leib des körpers und seiner menschlichen freuden und leiden ausgeliefert ihrer rezitativen beschwinglichkeit in der sich sein denken auf das naive antimetaphysische reduziert wird so zu einer polemik mit sich selbst …außerhalb von dem was unmittelbar …innerhalb von dem was gewesen sein könnte und von dem was sein kann etwas das unmöglich wahrgenommen ist bleibt möglich ohne priorisierte bezüge einer wahrscheinlichkeit geht das werk blutleer jedoch phantasievoll zu grunde an der distanz zwischen verherrlichung und verachtung
der frühmorgendliche hahnenschrei in ein tosendes gewitter eines erlebens lethargischer gedankenwelt durch ermüdete instinkte

das abbild einer projektion die ihn zur vorstellung ohne konsequenz verkümmern lässt wird er zum wartenden messias welcher in den klassizismus hinein eine gar nicht so unangenehm weiche komponente bügelt und sich zum enthuisiasten einer künftigen pädagogik ernennt wie es der mystiker nicht anders zu erreichen in die kaste des ketzerischen aufwieglers da es ihm an kontinuität einer diskursivität fehlt wie dem kartenhaus an substanz um einen luftstrom standzuhalten … er dreht sich als ein gefangener einer konvertierten tradition und eines adaptierten stiles hin zu einer maske seines misstrauens inspiriert ganz und gar materialistischer sinneswahrnehmung und passiver vorstellungskraft sich darin mit leibeskräften zu wehr setzt wider der begreiflichkeit innerster empfindung in anmaßung einer indoktrinierten ekstatischen pseudotiefe

ich streiche leben und sterben ebenso geburt und tod aus der gleichung meiner gefühlten gedanken und verlasse die kreisbewegung einer gegenstandslosen untersuchung von kategorien die ausschließlich als theoretische gewinde einer kosmogonischen scheinwelt materialistisch hypostasierte kreise ziehen angezogen vom aasgeruch dreht man seine runden über scheingeschwängerten totengräbern …

ein verfahren das sich in fäulnis huldigt …

in den abgrund des beobachters getreten scheint das dunkel heller als das licht wird so zu einer schwelle litharnei und kollekte wüsten aus kakteen und benommenheit verfemt das antlitz des gerechten ein ausgeweidetes schicksal im tal der tränen
die sucht einer suche nach etwas das man nicht finden kann

wenn du die tür zu dir selbst aufstößt das was du vorfindest annimmst als etwas das direkt in der unmittelbarkeit auffindbar und das nur das willst dein eigen nennen wird es für ein gewaltiges beben sorgen und du wirst brennen so gewaltig wie nur irgend möglich die welt steht dir buchstäblich offen wie du zu dir selbst

alles ist austauschbar gegen feuer und feuer gegen alles sagt heraklit

der menschen größte waffe ist gleichzeitig ihre größte schwäche – die sprache

auch du wirst altern tust es bereits jetzt seit der geburt schaust du dir dabei zu …die schönheit einer blüte erstrahlt in einer jahreszeit aus dir heraus weht in jahrhunderten hindurch die feine prosa all der musen hoher poesie verschenkt das herz sich philosophisch vor vergessenheit bemerkt der trübsinn deine fertigkeit in ihm …rascher als du bisher glaubst stehst du dann da und fragst dich wo es war das leben so schnell verlebt der herbst ein fest der stürme gewiss vorbei der sommer geäst der bäume unter hagel die nun zischend durchs gemüte deines geistes toben jahresringe an den händen in den augen liegt noch glanz dahinter fragst du dich wo ich gewesen bin in dieser zeit die mich vertan ein tanz ein missbrauch selbstgewollt auf dem parkett der endlichkeit …wer hat sich um mich gekümmert als ich noch träumte auf dem grund des meeres eine muschel war …der gedanke war’s der mich verraten an den glauben einer reise streng behaftet durch das vorurteil im klang der worte mich verliert subtil und kühn ward ich erobert um mein leben fürcht ich nicht so wie die zeit zum tode hin …ein schutzgeist aus den nebeln alter wiegenlieder hab mich lieb im zweifel hab mich lieb an bedeutungslosigkeit herrscht mir kein mangel noch der hohn der stunde die zerschlägt in mir den stummen prediger beisammen eng unschlungen nächte italienisch die ein feuer legten mir die süßigkeit …ich denke bald zu gehen aus diesem kerzenbündel das der abend tröstlich mir geständig flüstert …das ideal war schilfrohr einst und kiesel an den ufern wellen wie im rauch der zigarette …meine wege fallen dornen die ich eigens säte bevor ich losgewandert zu beherrschen was mich sterben lehrt …rette mich wer kann doch wer kann schon so entrissen aus dem mutterleib der sterne zeitlos sich der traurigkeit entziehen …im verlust der ankunft über alles entdecke ich den hafen dieses ortes schönste wiese dort in blau und schutzlos ausgeliefert bin ich dir ein privileg meiner verpflichtung aus erniedrigung und überdruss …sollte ich noch sein ganz unbeherzt wie diese kälte aus der höhle die mir ungeheuer und auch segen ist …sanft und rein so spreche ich zu mir in das was zuversicht mich glauben ließ …die bekundung einer zärtlichkeit platonisch quälerei im zauber gottverlassener anfang in mein fallen ende weht im schmetterling an mir vorbei … still so still verliert sich mein geräusch darunter freundlich seele ich umrissen doch nicht wirklich bin ich nah den blättern und den stimmen ihrer wurzeln erdenkraft versenkt in mir den himmel ehrenwert erstarrt und durstig träumt sich fort was nie vorbei …

Das solltest Du auch lesen...

Leave a Comment

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.