poetisch-philosophische Splitter 7

by Maik Gustavus 9. Juli 2026 0 comment

die argonauten sagten seefahrt muß sein nicht aber leben
wir argonauten eines krankhaften empfindungsvermögens sollten sagen empfinden muß sein nicht aber leben

„das nichts besitzt für mich einen zauber, den die missgeburten, die diesen ort bevölkern niemals hätten und haben könnten, ich danke dem himmel, dass ich hier wohne, die welt zu verlassen kostet keine überwindung“

albert caraco jenes mitglied düsterer allianz der weltverneiner ebenso wie cioran nitzsche und bahnsen …der sich ebenfalls als inhaftierter einer welt aus leere und fast schon manischem nihilismus sah ihr heraus zu fliehen war ihnen angeboren in das depressive exil indem sie selbst als botschafter und vermittler zwischen verbannung und dem paradoxon mensch auftraten

in mir das auftauchen von wärmenden wallungen des lichtes akustisch fast der hängenden steingärten und ihrer schmachtenden gewächse …panzerung in rosenblüten mein gefühl verschüttet wachsend in gedanken die worte die hades in dem erhabenen drama an persephone richtet, während die tochter des demeter von der verhängnisvollen frucht genießt:

„wenn du die herbstzeitlose in der blüte wirst pflücken auf den weichen wiesen der oberwelt, zur seite deiner mutter in dem blauen peplon – und wenn die schönen okeaniden dann eines tages mit dir spielen werden, mit dir auf weichem rasen -, dann wird in deinen unsterblichen augen unmut sich plötzlich zeigen, unmut, des ursach‘ licht:
dein herz wird schlagen, o persephone, die große seele, des tiefen traumes eingedenk, persephone, beraubt des unterirdschen reichs. du wirst die mutter dann im blauen peplon abseits im schweigen tränen weinen sehen.
und du wirst zu ihr sprechen: – o mutter, mich rufet in des reiches tiefe hades; mich rufet, fern vom tag zu herrschen über schatten, hades; mich ruft allein in nimmersatter liebe hades…“


die meisten vertreter der kirche sind verwalter einer bürokratischen vermögensanstalt und dienstleistungsgesellschaft
sie würden gott nicht einmal erkennen wenn er direkt vor ihnen steht das einzige was sie von den anderen unterscheidet sind die verkleidungen die sie tragen

das weltverständnis unserer zeit ist ein sedierter hippie auf einem klapprigem damenrad der eine zerfetzte fahne schwingt auf der geschrieben steht : iam a human being everythings possible

hast du auch von der philosophin gehört die sokrates sein wollte ? nein aber vermutlich seiner vorliebe für junge knaben wegen? nicht ganz seiner vorliebe menschen durch ein gespräch zu provozieren aufzurütteln in die welt seiner gedanken hinein. ihrer schilderung nach wurde sie zu sokrates auf den fussgängerpassagen indem sie menschen ansprach diese mit fragen konfrontierte auf welche sie nicht näher einzugehen gewillt dann gab sie ihm sokrates persönlich die schuld weil sie abserviert wurde und behauptete sokrates habe die menschen genervt vielleicht lag es aber an ihrer schlampigkeit sie wurde ohne chiton und bart dabei beobachtet wie sie sokrates versuchte zu spielen was sich hier offenkundig als narretei einer zutiefst verunglückten partnerschaft mit sich selbst skizziert ist der lausige versuch einer gegenüberstellenden forschung auf eine spielerische art und weise und damit vermindert schuldfähig

wie kommt man nur auf die idee eine zeit in der fast alles über den direkten kontakt ablief in eine zeit zu befördern in der alles stetig mehr digital anonymisiert von statten geht und daran sein urteil zu fällen wo die leute doch eher von ihr selbst denn von sokrates genervt zu sein schienen ?

das einzige was ein leben lang hält ist der alltag abwechslung bietet dann nur noch die empörung allein oder gemeinsam
das vereinsamte individuum

„man erschrickt über gewaltsame entscheidungen, aber sie entsprechen starken seelen, und kräftige charaktere ruhen sich in extremen aus.“

an dem tag da chamfort glaubt die revolution habe ihn verurteilt angesichts des endgültigen misserfolgs schießt er sich eine pistolenkugel in den kopf die seine nase zertrümmert und sein rechtes auge zerquetscht da er noch lebt, setzt er sein werk fort er schneidet sich die kehle mit einem rasiermesser durch und zerfleischt sich blutüberströmt wühlt er mit seiner waffe in der eigenen brust schneidet sich kniekehlen und handgelenke auf und bricht schließlich in einer blutlache zusammen diese sickert unter den türen nach draußen und alarmiert endlich die leute er stirbt an seinen verletzungen im krankenhaus
was hier erscheint wie jemand der einer raserei erlegen mit der obsession der selbsttötung durch einen lang geschürten wahnsinn lässt sich nicht einwandfrei klären…man kann an der art und weise in nachdenklichkeit geraten und zweifeln an der unzurechnungsfähigen gegenwart seines geistes zu einer zeit in der die welt aus den fugen geriet und täglich unzählige köpfe in einen korb rollten

ein sich verstärkender missklang zwischen seiner kunstform und dem leben welches für ihn die liebe zur republik darstellte und dem schöngeistigem als aphoristischen roman seines erlebens dieser welt in der das hartnäckige verlangen nach klassischen tugenden das mörderische leuchtfeuer am horizont selbst die konsequenz des lasters wurde durch die subjektivität einer befangenen objektivität man kann zu dem schluss gelangen das er sich im eifrigem rausch der affekte welche in dem begreifen eines völligen scheiterns lagen die grausamkeit des schockes seines missglückten kopfschusses angeheizt panisch zerstörerisch gewillt zu beenden was bereits unabwendbar begonnen welche als überreaktionäre zerreibungen hin und her geschleuderter turbulenzen zu verstehen sind … unabänderlicher gewissheit …war weder niederlage noch entsagung sondern eine glückselige tollheit die ihm einen seltenen sieg beschert den der völligen verzweiflung

„natur hat mich dazu bestimmt“ war das lionardische motto

die empfindung des todes ist fühlbare kraft da es kein wort dafür gibt kann man es nicht denken seit unserer ersten begegnung einen nachmittag lang war das betreten eines anderen raumes in seiner wesenheit etwas mir vollkommen unbekanntes das nicht in sprache zu formulieren möglich diese gewalt steht außerhalb von dem was an beliebigkeit sich selbst beliebig macht. kein wille keine vorstellung das merkmal einer absolutheit die in mir und den dingen ein zeichen ihrer überlegenheit markierte mich davon kosten ließ und dann verschwand doch nie wieder ganz … mir meine ängste nahm meinen namen die träume und ambitionen auch sie verschwanden als mittel des realen
das keinerlei fragen und anforderungen kein konzeptionelles verbauen in ein philosophisches system kein hinweis darauf das es selbst eines ist und doch ist dieses gefühl die antwort auf alles was ich nie gefragt

ich mache mir nicht die mühe vor etwas wegzulaufen was mich eines tages ohnehin einholen wird aber ich fühle das es kein zusammenkommen geben wird da ich aufgehört habe gegen etwas zu kämpfen was ich nicht kontrollieren kann da es bereits jetzt als eine art impuls in mir lebt
der tod trägt keine maske das leben unzählige

ich erinnere mich wie ich am ende einer episode der reise durch das leben in düstere abgründe versunken einem einzigen gedanken untertan in den dienst all jener kräfte trat die mich schwächten …ich hörte auf im dienste eines ich zu leben ich ließ dem tod freie hand mich zu versklaven ich gehörte mir nicht mehr …er versetzte seine klarheit in meine empfindung und ließ mich in allen dingen die zeichen seiner überlegenheit erblicken ein ekel vor den sterbenden dingen …in jedem passanten sah ich einen kadaver in jedem geruch nahm ich die verwesung wahr in jeder freude die letzte grimasse …überall traf ich auf künftige gehenkte auf ihre drohenden schatten …die zukunft der anderen enthielt kein geheimnis für jenen der sie aus meiner wahrnehmung belauerte …
war ich verzaubert? es gefiel mir daran zu glauben das ich sie übertreten hatte jene sagenhafte schwelle …wenn dies der stand wie sollte ich reagieren?

ja sicher es kommt von herzen …meinem autonom schlagendem stück fleisch aus muskelsträngen und transportgefäßen in der brust eingekerkert in sterben und blut

sei du auch die vogelweide die mein herz besingt wenn trauer mir die schläfe streichelt
in den schlaf mein vögelchen schlaf

zuhause ist kein ort zuhause ist gewohnheit aus jedem ort

warum ich mich dem gesellschaftlichen leben entziehe und nur noch bedingt daran teilnehme? weil ein vernünftiges wesen einzig notwendig handelt …weil man sich dem was man ist nicht entziehen kann …weil ich nicht sterben kann ohne gelebt zu haben weil ich im inneren frieden jene reinheit und aufrichtigkeit erlebe die einer gesellschaftlichen verderbnis gegenübersteht da sie sich an sachen misst und erheitert an denen sie ebenso zu grunde geht die keinerlei wert und bedeutung für mich besitzen
weil die probleme der anderen irgendwann immer zu einem teil für einen selbst stehen zu einer aufgabe werden dies habe ich unzählige male praktiziert und erledigt und auch darin routine entdeckt …fürs karusellfahren fehlt mir die zeit und energie die es jedes mal aufs neue kostet …weil ich mich als etwas fühle dem ich in der gesellschaft nie begegnet bin …weil ich den naturgesetzen vertraue denen der lauf der dinge in einer art und weise folge leistet gegen den die gesellschaft vehement verbittert kämpft aus pflicht und verzweiflung
weil die gesellschaft mich nicht verstehen kann so wie ich verstehen muss

die wolken aus denen es den gesamten tag bereits kaum hörbar nieselt erinnern mich an pinselstriche eines aquarells ein schwarm stare zwischen tropfenden bäumen die bilder der alten badestelle die marode barke knarrende ruder ins wasser geschlagen tauchen plötzlich auf gespenstisch im nebel die erstarrung aus natürlichkeit und schmerz beides wohlbekannt als besäße ich die göttliche eigenschaft dies zu ergreifen die atmosphäre einer verwandlung seelisch und körperlicher erlösung in das zeitliche mühsal geträumt ein innerlich notwendiger gnadenzustand der junge von damals der das wasser liebte trägt das fruchtbare feuer als isolierende kraft in das heute meiner empfindung die verlorene spur einer jugend wird der kristall in der abenddämmernden ferne unaufhörliche frische aus entstehen und vergehen …konnte ich mich jemals weinen sehen

nichts sein der einzige ausweg …

es sei gesagt sowie hervorgehoben als besonderer verweis auf die kosmische kraft des humors und seiner unabdingbarkeit ohne den mir das dasein unerträglich unter seiner obhut erhält die leichtigkeit das spielerische element zurück wider trivialer ernsthaftigkeit ohne seine anwesenheit die in meinen philosophischen skizzen mehr als deutlich zu tage tritt ist es sehr wahrscheinlich das ich mich der ausweglosigkeit nicht entziehen hätte können selbsttötung ist die hoffnung der verbannten ein projektil durch den kopf geschossen was ebenso wahrscheinlich nicht das schrecklichste dieser absurden weltkonstruktion darstellen muss …

das leben bedingt das haben durch defizitäre abhängigkeiten wird somit versklavung in diesen denn alles was du hast hat dich der tod ist nicht das ende eher befreiung von zwang und unterdrückung …

ganz recht ein knecht ist der der sich selbst dazu macht ist nicht seines eigenen herr

das was man aus mutlosigkeit und resignation nicht getraut auszusprechen wird man beenden zu denken das prinzip der vermeidung ist der weg in den stumpfsinn

jeder schafft im leben notwendig das was die natur ihn festgelegt zu schaffen er im stande des epigenetischen zufalls inhärent das prinzips der ordnung einer wesenheit über alle daraus folgenden wesenheiten

ich weiß nicht was oder wer ich bin ich bin das wohin ich intuitiv geleitet ein repräsentant dieser umwelt deren interessen ich vertrete nicht meine eigenen die ich weder habe noch kenne noch die von jemand anderem

was wäre das für eine umwelt die sich vor dir verneigt sich zur schau stellt wie eine dirne und all ihre schätze und geheimnisse und nutzen dir ohne dein zutun zum geschenke macht was soll es dir bringen welchen vorteil erhoffst du dir davon ohne anstrengung die reifen früchte von hohen ästen der ideen und kreativität zu erhalten
in der bequemlichkeit liegt immer verlust der erkenntnis und entdeckung deiner selbst

die liebe zum profit beherrscht die ganze welt sagt aristophanes

die drei verheerendsten drogen : geld zucker psychopharmaka

frieden findet man nie dort wo um ihn gestritten wird , man kann ihn fordern aber wird enttäuscht …wird man ihn verteidigen müssen ist man gescheitert wie jegliche idee von ihm bereits besiegelt unheil ist …

frieden ist kein definiertes ziel keine waagschale als zubringer einer balance ist vielmehr als bewegung des ganzen zu verstehen es wird überwindung oder verzweiflung kosten ihn zu gehen diesen weg der eigentlich gar keiner ist für das auge unsichtbar er wird dich zerreissen und zusammenflicken er wird dich ausbilden und dich nähren dich stark machen dich zu mentalen und körperlichen höchstleistungen zwingen dich erschöpfen und dich aufbauen dich beschützen in das exil der deserteure er wird dich prüfen mit verlockungen deine geheimnisse plündern dich schmieden durch gewissen dich erschöpfen durch verneinung deiner unzulänglichkeiten wird dich zu einer berührung werden lassen deiner eigenen allgegenwärtigkeit

seit gestern arbeite ich an etwas neuem wenn ich nur nicht so müde wäre aber der erschöpfungsuistand ist meine hostie mein kleinod das ich bewahre das ruhige gewässer ein kreislauf der elemente die auf wirken mich aus dem chaotischen geräuschen zerren jene die aus beweglichkeit gemacht ein zerfall in sensuale zuckungen aus schatten und licht kadavern und zersetzung einer historik die sich von gegenwärtigkeit ernährt aushalten von sonne und regen spielen mit schlangen unter der erde unter dem ausnahmezustand existieren der angewohnheit ohne die nichts gewonnen die heilende wirkung des deliriums als ausgangspunkt hysterischer panikattacken ein graben zu den wurzeln liegt in der versuchung der traurigkeit ein rausch erdrückender entschlossenheit …

„tröstlicher sang für mußestunden – das, vater, ist mein thema nicht.
ich weiß, ich werde nie entbunden von mehr als irdischen hochmuts sünde durch erdenmacht – für sehnsucht finde ich nicht die zeit, für träumen nicht.
man nennt sie hoffen – jene glut!
nichts ist sie als begehrens wut!
könnte ich hoffen – gott! ja, dann hieß ich nicht narr dich, alter mann.“

edgar allen poe (1.strophe tamerlan)

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