Bruchstücke 14

by Maik Gustavus 25. Januar 2026 0 comment


zwei dinge die der mensch nicht direkt ansehen kann, die sonne und die gewissheit…

béla tarr, sátántangó 1994 nach lászló krasnahorkai ein film ein meisterwerk 3 teile sieben stunden der sich durch seine ästhetik in eine finstere unnahbarkeit der kalten jahreszeiten kleidet und der einsamkeit der existenz in sich selbst durch ein verdichten und portraitieren der gegenwart unter aufhebung linearer strukturen, somit ohne mnemonische verweise auskommt im versuch das ungreifbare zur anschauung zu zwingen, im sichtbaren aufs äußerste reduziert bewegungen durch schwarz und weiß hell und dunkel verlaufende schatten und lichtungen jene welche ihr geheimnis nicht bereit dem auge offenzulegen ein film der den bildern hintern den bildern die möglichkeit eröffnet für sich selbst zu sprechen, ein zertrümmern der erfahrungsschemata, er vergeht mit dem verweilen in etwas und dem erschaffen daraus wird eine evokative melancholische zeichnung dem gestalten einer tiefe ihrer räume in räumen, man wird gezwungenermaßen zum voyeuristischen beobachter und teilnehmer dörflicher landstriche deren bewohner und ihrem kanon aus langeweile und obszönität
minimalistischer narrativ eher fragmentarisch als in sich geschlossene handlung, von etwas das kein ergebnis kennt, kurzweiliges berühren einzelner fragmente in ereignissen weniger familiar eher doktrin einer zugehörigkeit skizzen überlebender
einblick chronistischer innenleben der augenblicke ohne erkenntnis ihrer entstehung, ein film der eher durch jede einstellung eine reanimation einer szenischen gestaltung seiner eigenschaften erlebt, eine teils erdrückende nähe menschlicher natur und ihrer trivialität darin in sich gefesselte ambitionen träge unausgesprochen verwehen mit den winden und den unentwegten regen welche über die landschaften peitschen in denen sich der mensch erstarrt begegnet, verletzt, tot in sich selbst …ein unentwegtes ticken der zeit dem warten darauf und der erwartung darin…kein drama, kein pathos, brutale alltagswahrheit und ihrer abstrakt begegnenden giganten innerhalb dieser gewalt …

nina kraviz eine alchimistin elektronischer musik, ihr set im boiler room berlin eine außergewöhnlich brilliante abfolge von frequenzen und resonanzen eine tiefe begehung einer exakt aufeinander abgestimmten landschaft welche sich außerhalb der zeit abspielt da sie die möglichkeit einer gliederung vollständig aufhebt wie aus einem guss nina für mich hier eher komponistin als dj da es mich im ersten eindruck der stunden anhielt weniger körperlich rhythmisch abgeholt hat eher in der tiefe ihrer rhythmischen struktur begegnet ist ein set das keine pause lässt es atmet dich ein und du atmest es wieder aus eine stunde wird es dein herzschlag im oktogon der wie ein ground and pound auf dich einklatscht man begeht mit ihr eine architektur weniger aus tonalität eher aus phonetischen formen und mustern folgend klanglicher logik musikalisierter mathematik, sie selbst ist der konzeption dieser mystischen kraft unersetzlich ist selbst ein teil dieser in sich geschlossenen konzeptionellen progressivität sie repräsentiert ihr eigenes universum innerhalb eines milieus sehr eng mit sich und sich in austausch stehend durch die erschaffung einer raffinesse und präzision mit gleichbleibend starken ausdruck detaillverliebt dadurch stets überraschend unerlässlich wuchtig dennoch geschmeidig in den übergängen, die nicht wirklich welche darstellen eher pointierte highlights sind grenzen verschwimmen werden so eine einheit ein massiver magnetischer block der dich widerstandslos einsaugt …man muss im innern dieser physisch anatomischen musikalität stehen und nicht von aussen darauf hören um so etwas zu konstruieren ein perfekt koordinierter bauplan … der bauplan kennt die form welche der komponist ihm gibt der bauplan kennt die form…

wer nur in die ferne schaut verirrt sich , wer in die tiefe fühlt kommt an …

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