das gesamte werk fernando pessoas sind produkte seiner nachlassverwalter da er zu lebzeiten nichts publizierte …er hat sein universum aufs papier gebracht ein gespräch zu sich selbst für jemanden den er nicht kannte ein monolog aus feingeflochtener tiefe und musischer virtuosität in diesen zeilen ebenso bei amiel synthetisch analytischer scharfsinn wobei henri sich im vergleich zu fernando darüber grämte nichts publiziert zu haben …hätten sie publiziert also den kosmos ihrer empfindung zu einem produkt degradiert hätte sich im sinne ihrer verbannung und geistigen eigenart gesellschaftlich und persönlich nichts verbessert im gegenteil vermutlich hätten sie sich das leben genommen …davon gibt es geschichtlich einige beispiele …sein leben durch die kunst verkaufen kann man wahrscheinlich nur dann wenn man das leben auf der oberfläche betrachtet nicht aber wenn man es mit dem gefühl durchdringt …
man kann wohl einen gedanken den man denkt und jenes was aus ihm entsteht als einen gegenstand veräußern wenn man ein gefühl denkt und daraus etwas materielles entsteht verhält es sich weitaus schwieriger …wahrscheinlich ist es unmöglich …
das leben ist ein konzept // viva la interexistencia
m. sagt ein kluger scharfsinniger mann der die gesellschaft sehe wie sie sei überall nichts als bitterkeit finden würde
man müsse unbedingt auf die heitere seite blicken und sich daran gewöhnen den menschen nur wie einen hampelmann anzusehen und die gesellschaft wie das brett auf dem er springe
dann ändere sich alles: der duktus der verschiedenen stände die jedem eigentümliche eitelkeit die verschiedenen nuancen bei den individuen die betrügereien schandtaten im allgmeinen usw. alles werde animativ unterhaltsam und man bewahre seine geistige gesundheit
wenn sich einige leute so für sich selbst interessieren würden wie sie sich für das wetter interessieren wäre allen damit geholfen
ein kontaktloser mensch ist kein mensch ist ein verwahrlostes tier …der kontaktfreudige mensch ist der mensch der vom beheimateten urlauber abstammende ist mensch nur im kontakt ist er der mensch kein verwahrlostes tier
sie wollen die waren verkaufen zu preisen die noch nicht feststehen und sobald sie feststehen wollen sie diese für sich behalten … sie wollen diese feststehenden preise uns den interessenten an ihrem warensortiment versteckte preise die dann nicht mehr lose da sie ja von ihnen selbst feststehen …sind sie diese unter keinen umständen uns mitzuteilen gewillt … da sie allein das anrecht durch den besitze ihrer waren da sie allein vom feststehenden gestützt werden die nun zahl und ding …wollen ihre rechtmäßig erworbene notwendigkeit mit dem erhalt der ware die sie zu feststehenden preisen erworben die dadurch den Wechsel der besitzer lose geworden um durch sie erneut festzustehen für sich beanspruchen habe ich das richtig verstanden? ja ganz recht der herr …nun dem kann ich beipflichten wo die zeit so ungewiss im raume wackelt …so doch verrat wird weiterhin verübt wenn wir nicht unverdrossen nach dem rechten schauen …sie schlagen einen guten leberhaken kompliment …ihre führhand ist auch nicht von schlechten buchmachern …ich werde mich auf sie verlassen …guten abend
ein leben im rampenlicht heißt ein leben lang gesehen werden wollen
die menschlichkeit in der bürokratie ist erdrückend
sobald das geschlecht zum leben erwacht haben viele kein leben mehr sondern nur noch das geschlecht
wie oft hast du diesen gedanken und die absicht dahinter schon gedacht? oh das überrascht mich aber vielleicht der beginn einer wunderbaren freundschaft
die meisten verwechseln loslassen mit zeitweilig anderweitiger beschäftigung
eine konsequente ablehnung von dem was ist ist ein ständiger blick auf das zukünftige auf die beschlossene absicht oder dem wunsch eines ideals
„die welt ist der leichnam gottes“ philipp mainländer
ich eröffne eine neue situation indem ich meinen kopf auf dem bett liegend nun nicht mehr auf die vorhänge des geöffneten fensters richte sondern in das innere des raumes auf die halb geöffnete tür des antiken kleiderschrankes …ein schrank ist ein bild ein bild ist ein wort ein wort ist ein gedanke ein gedanke ist ein augenblick ein augenblick ist eine wahrnehmung eine wahrnehmung ist ein anfang ist ein ende …
wenn man wie ein bohemien lebt wird man wie ein bohemien sterben …ein göttlicher funken aus asche der venus
in der gesellschaft klar zu kommen ist einfach …wenn ich doch bloß etwas zu verkaufen hätte …
der künstler der eine künstlernatur sein will ist gesellschaftlich ein stück dreck in einer erlebten emanation …er ist derjenige der sein eigenes milieu erschafft
die liebe ist in aller munde und überzeugt in wort und bild was man aus ihrer illusion benetzt mit freudentränen so im abschied nicht als brücke zur unendlichkeit …in der erwartung liegt die forderung des gegners zu enthüllen ihrer hungerstillenden allgegenwärtigkeit
in der gesellschaft sah ich …meinte m. …nur mahlzeiten ohne verdauung festliche tafeln ohne vergnügen unterhaltungen ohne vertrauen bindungen ohne freundschaft und bettgeschichten ohne liebe
die liebe ist abgenutzt und hat ausgedient und muss nicht wie rimbaud sagt neu erfunden werden sie muss überhaupt erst einmal empfunden werden als etwas das weder gesicht hat noch erkennt sich nicht an die gedanken bindet die ihr stets voraus …sie haben uns alle getäuscht …blind haben sie nur die tapfersten von uns gemacht die unfähigen ließen diese gedanken aus der hölle …dunkler sog an fesseln tritt in schuld und sühne sie … sehen engelschöre zur tugend hoch ihr sehnlichst opfer die in das ewige vergessen ihren fürsprecher weit verfehlt …schwer der rückzug ist zu tragen marschgepäck aus flugwinkel der albatrosse einer umsegelung von mittag bis südwest der frühlingsblühenden kunstfertigkeiten …zum glück bleibt mir die malerei sagt vallotton …die liebe wird überall gemocht ihrer verschlüsselten abstraktion im ätherhimmel sei gewiss günstig blickpunkt metaphysisch im prinzip des wahren und des unzertrennlichen
zärtlichkeit bewegt sich ohne schatten stricken aus den eisig blassen augen durch den handspiegel aus elfenbein …ein seidentuch auf dem nachttischchen der kammerzzofe in farballegorischer weiblichkeit nacktheit in den leuchtend himmeln einer tracht die gottes nähe sucht
sie lässt uns glauben das die hoffnung von unschätzbarem nutzen sei aber die wahrheit ist das sie
eine heuchlerin ist die uns zu ihrer curtisane macht sofern sie sich auf etwas stoffliches ausgerichtet hat bricht ihr kontakt zu uns ab
die liebe in der beobachtung finden heißt eine berührung im innen ohne das außen anzufassen die gedanken verschwinden in das nichts aus dem sie kamen dem netzwerk der bestimmten funktionen
ich liebe dich du liebe in den sommersprossen des nachmittags in den eiskristallen der klirrenden nacht du liebe in der liebe jugendlicher träumereien auf dem sockel wortgewandter verstellungen und der falschen namen die auf ausgedachten tatsachen beruhen
die liebe die von lust sich nährt ist die von gier geschwängert wenn sie allein nur trieb erfahren und ihr geschick an vielerlei plagiaten haftet gehorsam reglementiert in exerzitien bietet sich ein schöner grund den zweck im unglück anzubauen
das ist die pointe es handelt sich um eine zuweilen so intensive lust daß sie die illusion eines innigen verstehens jenes objekts vermittelt das die lust hervorruft eine lust die den verstand erregt ihn herausfordert und ihn dazu bringt seine eigene niederlage hochzuschätzen außerdem eine lust die das seltsame bedürfnis auslöst das ding ereignis objekt oder den zustand zu produzieren oder zu reproduzieren mit dem sie verbunden zu sein scheint und der dadurch zu einer quelle von aktivität ohne einen bestimmten endpunkt wird und die einem ganzen leben disziplin eifer und beunruhigung aufprägen und es ausfüllen wenn nicht gar überfüllen kann eine solche lust stellt für das denken ein besonders trügerisches rätsel dar das sich dem begehren und der umarmung der metaphysischen hydra nicht entziehen kann … nichts dem willen zur macht der liebenden würdigeres als diese ordnung der tatsachen worin sie das empfinden das erfassen das wollen und das tun mit einer wesenhaften bindung verknüpft sehen
man hat zwei möglichkeiten in dieser welt statist oder deserteur masse oder individuum zerstreuung in der unterwerfung oder gelassenheit im frieden wem es gelingt sich dem systematischen leben zu entziehen und in der stille nicht nur erholung entdeckt sondern die idee der welt eines lebens das tief unter all dem schutt aus geschwätz und lärm vergraben liegt dem wird alles gut geschenkt der wird getragen werden je mehr lasten dem irdischen entnimmt desto leichter geht er durch sich selbst …man ist immer am stärksten wenn man im anderen keinen nutzen sieht stattdessen erkenntnis
m. sagt : das gesellschaftliche leben lebt sich von ereignis zu ereignis einer abgehetzten meute und ihrer kultur der kulturlosigkeit und dazwischen schlafwandelt es in einer leidenschaftslosen banalität …das ereignis ist etwas zeitlich begrenztes etwas kurzlebiges eine berauschung materieller sinne hormonelle reaktionen und affekbelade überschwänglichkeit uneinigkeit auf schwelle der toleranz und oberfläche immerwährende pflege ihrer beteuerung und widerspenstigkeit
dagegen der mentale zustand einer kognitiv phänomenologischen konstitution ist etwas unbegrenztes etwas das über der zeit steht ist die ordnung einer harmonie außerhalb des gesellschaftlichen lebens welche sich jedoch von ihr dem wesen der gesellschaft zu etwas perpetuiert das jetzt bereits von dauer ist
m. sagt ich hatte mehr mit künstlern aller art zu tun als ich noch gar nicht kreativ und philosophisch tätig war heute ist die kunst mehr etikett als lebensweise mit dem versprechen an sich selbst den maßstab an das eigene gewissen zu erstehen …ist heute ein versprechen der eintönigkeit an die begabung des lustvollen dekorateurs ein massenkompatibles instrument eklektischer produkte das sich mit der masse und nicht mit sich selbst bewegt ein stück kohle für den hochofen einer industrie von welcher der künstler am ende im rauch durch lüfte weht der kunstschaffende existiert außerhalb seiner kunst hellschimmernder schlag einer verkostung flüchtigen genusses für das unersättlich gefräßige maul schmeichelei und beköstigung von gelangweilten sensationsgierigen leuten
eine vertraglich gebundene seele die in einem farblosem ruhm versickert und irgendwann die hoffnung von der qual kaum mehr unterscheiden kann es steht außer frage das es seinen reiz besitzt aber größer ist der reiz den verlockungen zu wiederstehen auch dies gewiss kein leichtes unterfangen aber eines das sich lohnt durch das entdecken der natur in deiner seele ein ganzes universum und vielleicht ist man dann gar kein künstler mehr eher eine künstlernatur ein bohemien der in allem einen genuss erfährt sofern es ihn persönlich reifen lässt
eine verdichtung in der entdeckung der geheimnisse menschlicher existenz von dem was ist und bleibt …man ist nicht außergewöhnlich wenn man das macht was alle machen sondern wenn man dort hingeht wo niemand hingeht …
es ist gut aufmerksamkeit zu bekommen wenn sie nicht nur so flüchtig wäre wie ein blatt im wind dem man hinterherjagt ohne die leichtigkeit die ein kind dabei verspürt wenn es den wind einholen will
„nein“, sagte mrs. nannicantipot, „ich denke, ein mensch kann ebensogut zuhause bleiben.“
wenn ich nicht eine einträgliche stellung hätte, die mich zum kirchgang nötigt«, sagte leicht entzündliches gas, „würde ich alle pfaffen hängen lassen — ein haufen verlogener…“
oh!« sagte mrs. sistagatist. „wenn es keine kirchen & kapellen gäbe, hätte ich nicht so lange gelebt.
ich war schon immer da, als kleines mädchen bin ich um vier uhr morgens aufgestanden und losgerannt wie der teufel, bis ich völlig erhitzt war.“
william blakes „insel im mond“ ist ein text der als text an sich buchstäblich zerfällt …dem alles fehlt was einen ausdrucksstarken text charakterisiert …ist eher eine mit worten sichtbar gemachte abschweifung mit der signatur eines kindes mit dem bestimmten ziel einer unbestimmten abschweifung
der emphatische beobachter benötigt den gegensatz seiner eigenschaft um aus der interaktiven erfahrung etwas zu schöpfen was in dieser welt nicht besonders schwierig ist …
wenn gewisse leute gut von jemanden sprechen klingt es doch stets so als beschreiben sie einen hündischen deppen
das größte feindbild gewöhnlicher leute ist stets das ideal welches sie sich mit ihren mitteln der welt weder kaufen noch besorgen können jenes für das sie mental viel zu schwach aufgestellt und so für sie selbst ein leben lang unerreichbar ist und bleibt
ich habe mir in den kopf gesetzt das ich noch bevor es beginnt fertig bin mit dem was ich mir in den kopf gesetzt habe nur so ist es gut da ich noch nichts genaueres davon weiß
der größte akteur ist derjenige der alles spielen kann ohne sich zu verstellen folglich ohne eine wahl über die rolle zu verfügen wäre er dazu fähig schließt exakt dieser wille ein alles konsequent aus …
im allein hat man so unfassbar viel verbundenheit mit den dingen zu sich selbst …
m. sagt : es ist lustig wenn leute die vollkommen apathisch unter dem gesichtspunkt jeglicher wesentlicher referenz vor sich her leben und wenn sie von dir etwas wollen im sinne das du etwas für sie tun sollst sie von dir diesbezüglich abhängig sind dann machen sie stets versprechungen die sie nie einhalten die so witzig wie grotesk in ihrem innern kokettieren …inszenierte übertreibungen in einer art und weise der vermittlung die in ihrer pathetik überschäumt da ihre beschränktheit und deren bedingungen im verhältnis zu einem genau definierten also abgegrenzten raum festgelegt sind die sie mit dieser darbietung offenkundig überschreiten
aber lassen wir sie doch spielen ihr kasperletheater warum sich einmischen sie unterbrechen wo sie sich doch so ins zeug legen in ihrer darbietung des gutherzigen menschen wie sie glauben ein gutherziger mensch eben sei …

