Bruchstücke 19

by Maik Gustavus 3. Juni 2026 0 comment

mais quelle épaisse nuit tout a coup m’environne? jean racine

es sei kunst sollte man befähigt sein
sich zur schau zu stellen und sich auszuliefern vor sich selbst durch das publikum heisst das zurückstellen der ursprünglichen aufgabe der education sentimentale die als eine selbstgefällige erziehung zu verstehen ist und ein kompromissloses verschmelzes damit…hoffnung auf enttäuschung rückzug in die empfindung es braucht den abstand dafür heimatlose entäußerung einer gesellschaftlichen zugehörigkeit …der in der poesie erleben will dem ist bewusstsein gewiss das ist jemand der dem verlangen einer leidenschaft unterliegt seine repräsentativität auszulöschen sich selbst vollkommen zu enteignen sozialer bindungen und verpflichtungen das ist die voraussetzung um seine identität zu verändern durch die sprache einer transzendenten zugehörigkeit bei der man nie den umstand einkehren lassen darf sich ihm vollends auszuliefern der grad zwischen dämonisch und eudämonisch ist eine feine linie welche sich intuition nennt eher muss es werden wie das schreiben aus gewohnheit auch eine art exil bedeutet zeitweilige bretter metaphysisch oder intellektueller welten ihrer grenzen und verbindungen nicht die geschichte aus vereinsamung gehorsam kollektiver riten nörglerei aus besorgnis infames geständnis der selbsttötung durch die andere perspektive die man kaum zu wort kommen lässt unterdruck in der schreibkammer des herzens wenn es durch den literarischen ehrgeiz torpediert und angegriffen wird sodass auch hier die forderung dem ausgleich unterliegt …durch die erfahrung praktischer anwendung umgeht man die resignation und unfruchtbarkeit eines beständig sesshaften ein in theorien vergrabener gewohnheitsdenker wird sich früher oder später selbst zersetzen die bücher als nahrung und ausdruck der abhängigkeit an das tote gewissen betrachten aber am ende zersetzt sich ohnehin alles ohne das man etwas davon mitbekommt

zu akkumulierter geisterbeschwörung gesellt sich die tragik der enttäuschung das erleben des nicht erlebens ist die mitte der beglaubigten gesellschaft und nimmt zuweilen aggressive ausmaße an
einige gedankengänge zerren mich in ein gebüsch machen mich zu ihrem sündenfall in ihrer gruppe hinterlistige gefährten entleert gewissenlose schatten trampeln wie von sinnen auf der schwermut meiner besinnlichen architektur herum

das leben ist die geschichte einer krise die der mensch durch sich erzählt ein interessenkonflikt von dem was er getan und von dem was er glaubt tun zu können

in den dämonen; kirilow über stawrogin : wenn er glaubt dann glaubt er nicht das er glaubt und wenn er nicht glaubt dann glaubt er nicht das er nicht glaubt

ein mensch mit geist idealiter singularität bedeutet interexistenz unterliegt metaphysischen prinzipien (immateriell) ein mensch mit verstand idealiter pluralismus bedeutet koexistenz unterliegt physischen prinzipien (materiell)

die wissenschaft ist produzent von charaden und irrtümern perpetuelle platzhalter todesbleicher besorgnis medialer epitaphe

in einer der ernsten gesänge von brahms heisst es : denn es gehet dem menschen wie dem vieh; wie dies stirbt, so stirbt er auch; und haben alle einerlei odem; und der mensch hat nichts mehr denn das vieh : denn es ist alles eitel

auf der straße klappernde müllcontainer an den rand der straße gehievt wöchentliche prozession alltäglicher normalität einschluss in nichtigkeiten gespräche unter nachbarn sprache im abfalleimer plärrig reaktionär das zentrum eines bollwerks aus selektion und argwohn der mensch in der revolte kontinuität inwieweit ihn der zeitgeist treibt

freiheit beginnt dort wo das denken aufhört

einige menschen machen auffallend häufig exakt das gegenteil von dem was sie ankündigen zu tun oder nicht tun zu wollen ich frage mich ob sie bemerken das sie sich selbst eben dadurch behandeln als wäre ihnen der kontakt zu sich selbst lästig und ob sie von anderen erwarten dann ernst genommen werden zu wollen bei diesem ihren handstand am abgrund wider sich selbst … degradieren in den status der lächerlichkeit heißt die maxime die auf diesen fahnen weht …vielleicht ist diese akrobatik der unerträglichkeit von gewissheit eine mit doppeltem boden die dann insbesondere für alles andere ebenso gilt im ertränkten widerspruch durch dessen missbrauch fortan

lernt man die krankheiten der natur kennen verachtet man den tod lernt man die krankheiten der gesellschaft kennen verachtet man das leben

vielleicht erwacht man nur mit der todesnachricht im blut oder dem ausgeliefert sein eines kabinetts aus spiegelung der selbsttäuschungen

dieser schreckliche dichter; er grast alles ab was er zu fassen bekommt mit augen ohren händen gaumen und nase das vermengt er mit einen semiotisch orthographischen brei bis zur unkenntlichkeit des erfassens zerstückelt …ein durcheinander schmeißen und zerwühlen und aufreißen von formen und vorstellungen die nichts als unhaltbare elemente sind werden für ihn zu einer expansion im stellungskrieg wider sich selbst …menopause der assoziationsgewalt

er taumelt wie jemand der einen streifschuss in den oberschenkel erhielt …steht an der grenzsituation komatöser ohnmacht niederknien oder setzt man sich zur wehr fragt er sich da er nicht weiß wie es um ihn steht kommt er zur ruhe gräbt seinem Eifer das wasser ab und setzt sich um teilzunehmen an den bewegungen der lunge und ihrer atemsluft welche er in die kalte umgebung auswirft seiner aussätzigkeit und der kataleptischen imputabilität darin sollte er sie für sich nicht akzeptieren

den das entsetzen und die unbeugsamkeit voranpeitscht über die grenzen der wirklichkeit hinweg trübe aussicht bevor der fall in das versinken in die unverbesselichkeit und ihrer obsession des willens alles verschlingt die quintessenz des vorübergehenden helden ein artefaktisch gewordener

mit der interpunktion führt er sein heer an zersäbelt worte wie die orientierung darüber spaltet jede möglichkeit einer einlassung die zu einem ja irgendeinem selbst banalen eindruck führt und damit jede reflexion unmöglich macht … ein schrei aus dem bekennen einer an die sklaverei gebundener gesetze und reglementierungen die in jedem revoltierenden als phantom der stunde gilt er verschreibt sich buchstäblich einer utopie die ihn dazu um eine gage bittet nichts ist umsonst nichts ist geschenkt quit pro quo treibt ihn an den rand kathartischer aufreibend in fetzen zerschlagenes fleisch hängt als trophäe um begrifflichkeiten macht andeutungen aus ihnen
das auge sieht was der verstand allein nicht wissen kann die schrift ist verraten wird eine zeichnung ein gebirge aus strichen und
tälern überläufern quellen und seen ein geschmiedetes skelett wolllüsterner absichten bis unter die decke verschüttet im unrat aus untätigkeit und dem skrupel als hemmnis seiner selbst

er bewegt sich mit der lampe des wärters über ein gelände aus zertrümmerten ruinen in denen er die orte sucht die er zuvor selbst zerstörte ein eremit produktiver enthauptungen

man steht in unmittelbarkeit wenn man sich als das begreift in was man tätig ist und diese interessen vertritt und dies als einziges zur sprache kommt

sie kämpfen um ein leben das sie nicht haben darum ist es verteidigungswert als traum haftet es wie der wechsel einer witterung so flüchtig in den gedanken die zu seiner entdeckung führten

ich kam mir wie ein boxer der die immer gleiche kombination auf seinen gegner haut wobei die erste bereits ein misserfolg gewesen war und eben dadurch angespornt sie weiter zu schlagen in einigung dieses paralysierten muster eines scheiterns

jede art von darstellung erschöpft sich irgendwann in ein karikiertes stillleben einer unbeherrschbaren exzentrik auch die des erschöpften oder des sorglosen

spiel auf zeit die musicbox unbeirrbar am drücker

eine kerze auf ein selbstgebasteltes floß gestellt und auf große fahrt ins offene verderben geschickt

der christianisierte versteckt seine tränen seinen schmerz hinter perpetuierter emotionalität einer heroischen gestalt des lichts die zuerkannte erleuchtung tragend

im schutz der breviere verschachert sein glück an die existenz inkarnierter doktrin keine erlösung eher versteinerung in der einbahnstraße der monotonie ein fanatismus von überresten die ohne jede überzeugung zwangsversteigert durch das mondlicht wehen ist wie ein erstickungstod an seinem eigenen ideologischen erbrochenem die konstruktion einer idee der unendlichen möglichkeit an der sich alles misst aber nichts zu tage kommt außer einer müdigkeit und ihrer verdammnis aus unterdrückung und sehnsucht ….postuliertes grauen zum abendmahl in liebeswehen zeitnah spekulieren mit raumzeit und offenbarung der kümmernisse aus der besenkammer

das in die flucht geschlagene individuum schaut immer zurück auf die überreste der besessenen habseligkeiten ein nagen an knochen aus fluch und erinnerung und sollten es träume sein in der stunde des patrioten schlägt das herz die tollsten töne und hand in hand mit illusion und heil auflösender luzidität kooperiert … hetzen durch landschaften aus kultur und beschwingter skepsis ein greifen zu den waffen meint unterwerfung und verteidigung krone der diaspora

nieder mit den deutungen der gekränkten versager und der apatischen mystiker …individualitätsverloren überschwemmung der klagen klatschend an die pforte aus weitsichtigkeit himmel und staub …verwehtes schicksal und wenn doch nichts anderes übrigbleibt außer den worten und den stimmen zu folgen die jener kraft entstammen die von sich aus alles ineinander hält ?

das habituelle der vielheit ist sich so einig und gleich wie ihr möglichkeiten zu betrachten zustehen
der glanz sichert sich den größten platz im licht das augen greifen und liebkosen wollen es könnte alles so einfach sein das leben träumerischer anschauungslosigkeit sitzend als reine empfindung auf rankenden anemonen in den tag hinein der die form einer wolke besitzt die zu interpretieren liegend aus dem bette heraus so zur klarheit präfiguriert der apokalyptische schein konformistischen gewissens …heisst eine abwendung ethischer tretmühlenromantik durchtränkt von fulminanten nichts etablierter anschauungsloser landschaft und prophetischer vereinigung löst ein erschauern aus prästabilierter harmonie vielleicht doch nur getöse von zerfall in der fähigkeit zu hoffen auch dies eine verneinung der monade ablasshandel für schwerenöter die eigene schuld stemmen …soll heißen es denen überlassen die darin eine aufgeblasene dekadenz eine unzumutbarkeit verstehen und sich nicht davor scheuen sich mit dem großen geheimnis gottes verbinden zu wollen aus sternen und verheißung geschleuderte halluzinationen ein stempel linguistischer verrücktheit …die absolutheit ist kein wort sie ist der strick aus dem leben

aber was ist richtig und was falsch dazu müsste man entdecken um was es hier übergeordnet unseres denkens und handelns geht worum geht es der empfindung die mich empfinden lässt was sie mir gibt ich zu empfinden bin
dazu kann ich mir kein gesicht bilden ein blindflug als gegenstand einer verbindung zwischen mir und dir vielleicht ist der einfaltspinsel der seine geburtsstunde aus unserer arroganz erlebt jener der das leben auf die spitze treibt und sich ihrer nicht vor scham errötet und wo das einzelne sich keinen wert erhält als blaupause einer immerwährenden unerhörtheit

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